8′ 20″ (Text)

An einem der ersten Frühlingstage des Jahres 2014 sind die Fotos entstanden, die die Grundlage für die ausgestellten Arbeiten bilden. Das Licht fällt durch einen orange-weiß karierten Vorhang, hinter dem auf dem Fensterbrett Kräuter und Zimmerpflanzen stehen. Sie werfen ihre Schatten von hinten auf den gewellten Vorhang, der mit seinen Karos eine Art dreidimensionales Koordinatensystem zu bilden scheint. Die Schatten folgen dem Verlauf der Wellen des Vorhangs, werden durch ihn verzerrt und gebogen. Befinden sich die Pflanzen direkt dahinter, so zeichnen sich die Schatten deutlich ab, ist der Abstand zum Vorhang größer, so erscheinen die Schatten blasser und verwaschener.

Das Licht entsteht im Inneren der Sonne durch Kernfusion von Wasserstoff über Deuterium zu Helium. Da die Materie im Kern sehr dicht ist, benötigen die Photonen bis zur Oberfläche der Sonne ca. 100000 Jahre. Die genaue Laufzeit von dort variiert, da auch der Abstand der Erde zur Sonne variabel ist. Das liegt daran, dass sich die Erde im Laufe eines Jahres auf einer leicht eliptischen Bahn bewegt und der Sonne mal näher kommt und dann wieder weiter von ihr entfernt ist. Außerdem ist die Bahngeschwindigkeit nicht ganz konstant. Trotzdem kann man für jeden beliebigen Zeitpunkt den genauen Abstand der Erde zur Sonne ermitteln. Durchschnittlich
beträgt die Laufzeit des Lichts von der Sonnenoberfäche zu Erde 8 Minuten und 20 Sekunden.

Die Arbeiten wurden 2016 im Rahmen der Ausstellung “neue enden II” in Hamburg gezeigt. In der Ausstellung erinnerten ehemalige Schüler an ihren Lehrer Fritz Schwegler, der 2014 verstarb.

 

Christian Andreas Müller